Was jetzt passieren muss

Die Landtagswahl in Niedersachsen kann man nur mit einem Wort beschreiben: „Desaster“.

Viele Piraten haben auf vielen Plattformen viel dazu geschrieben. Das meiste war reflektiert und wertvoll; manches war polemisch, destruktiv oder sonstwie wenig zielführend. Was mir am meisten aufgefallen ist, ist, dass niemand wirklich einen zentralen Punkt aufzeigen konnte, woran es gelegen hat. Ich kann das auch nicht. Ich kann nur meinen eigenen Input hinzufügen, der ganz und gar aus meinem eigenen Erleben entspringt.

Marina hat in ihrem Posting hier einen Punkt aufgeführt, der mir persönlich wichtig, aber nicht prominent genug publik gemacht wurde.

Bevor ich in die Details darüber gehe, lasst mich unsere Kommunikation mit einem Konzept vergleichen, das viele Piraten kennen werden: der Mind Map. Eine Mind Map besteht aus einem zentralen Thema, von dem aus Ideen ausstrahlen, von denen dann weitere Ideen ausgehen, etc.

Unsere Kommunikation, unsere Themen sind divers. Die folgende Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; die Reihenfolge ist zufällig:

  • BGE.
  • Datenschutz.
  • Bürgerrechte.
  • Inklusion.
  • Internetfreiheit.
  • Nachhaltigkeit in der Wirtschaft.
  • Transparenz.
  • Basisdemokratie und Partizipation.
  • Urheberrechte und Patente.
  • Progressive Europapolitik
  • und vieles mehr!

Schaue ich mir diese Liste aus der Sicht eines Außenstehenden an, eines potentiellen Wählers, der sich z.B. im Internet oder auf unseren Papierprogrammen informiert, erkenne ich ein Problem. Wer nicht mit dabei ist, nicht die Piraten „in Aktion“ erlebt, nicht die internen Debatten und Diskussionen verfolgt, der versteht die Sammlung nicht. Der sieht grob Bürgerrechte und Datenschutz, kann aber z.B. das BGE nicht damit verknüpfen, oder unsere Positionen zu Gesundheit, oder zur Drogenpolitik.

Was will ich damit sagen, und wie passt es zur „Mind Map“? Für Außenstehende stehen viele unserer Themen nebeneinander. Unsere Mind Map sieht so aus wie eine Mind Map, der das Zentrum fehlt!

Was meine ich damit? Ich meine das Menschenbild, das die (zumindest mir bekannten) Piraten weitgehend teilen. Das Menschenbild, das alle diese Themen zusammenführt.

Marina hat das schon angesprochen, wenn sie schreibt:

Für mich war die Piratenpartei immer eine Partei, die im Kern gesagt hat: Der Mensch ist eigenständig. Er braucht keine Gängelung, um sein eigenes Umfeld aktiv und sinnvoll mitzugestalten. Er braucht dafür nur Freiheit, Beeinflussungsmöglichkeiten und Aufklärung, also Information. ALLE unsere Programmpunkte ließen sich für mich spielend daraus ableiten.

Das meine ich mit „Menschenbild“. Meine Wahrnehmung des Menschenbildes der Piraten, und der Hauptgrund dafür, dass ich Mitglied bin, ist ein überwältigend positives:

  • Menschen sind grundsätzlich fähig und willig, sich in die Gesellschaft positiv einzubringen.
  • Das bedeutet, dass sie auch das Vertrauen der Politik verdienen, kein Mißtrauen, keine Verfolgung etc.
  • Daraus wiederum leitet sich das Recht für jeden auf gesellschaftliche Teilhabe ohne Angst ab.
  • Damit diese Teilhabe auch bei politischen Prozessen funktioniert, sind Transparenz und Basisdemokratie unabdingbar: die Gesellschaft funktioniert nur, wenn alle mitmachen können.

Dieses Menschenbild unterscheidet uns fundamental von allen anderen politischen Parteien in Deutschland. Es ist für mich das Zentrum der Mind Map „Piratenpositionen“, von dem man alle Äste zusammenführen kann.

Sehen wir uns das Menschenbild der wichtigen, anderen Parteien an:

  • CDU/CSU: weniger Fokus auf individueller Freiheit, Menschen als Mitglieder größerer Strukturen (Gesellschaft, Kirche), in die sie sich einfügen sollen.
  • SPD: da fällt mir bei der aktuellen SPD wenig ein; die SPD scheint mir ihr altes Klassenbewußtsein aufgegeben zu haben, ohne ihr Menschenbild an das 21. Jahrhundert angepaßt zu haben. Der Fokus auf Vollbeschäftigung und davon abgeleitet die Bereitschaft zu Kontrolle und Schikane bei Hartz4 zeigt mir aber, dass es sich um ein restriktives statt positives Menschenbild handelt.
  • FDP: Freiheitlich, ja, aber unter Akzeptanz der Tatsache, dass die Freiheit dazu gebraucht werden kann, sich selber zu Lasten Anderer zu bereichern (dog eats dog). Wer es dann nicht schafft, hat halt Pech gehabt und muß sich, weil selbst verschuldet, mit dem Wenigen begnügen, was er dann kriegt.
  • Grüne: wissen genau, was zu tun ist, damit Umwelt und Menschen ins Paradies geführt werden können. Deshalb darf man die Bürger auch mit Vorschriften und anderen Mechanismen zu ihrem Glück und dem der Gesellschaft und Umwelt zwingen.
  • Linke: Menschen, besonders erfolgreiche Menschen, schulden die Früchte ihrer Arbeit zu einem großen Teil dem Staat, der viel besser weiss, was mit diesen zu tun ist.

Keine andere Partei hat ein so positives Menschenbild wie wir! Keine andere Partei kombiniert dieses Vertrauen in den Menschen mit der Bereitschaft, allen Menschen, nicht nur den Ellenbogentypen, Zugriff auf gesellschaftliche Teilhabe zu geben.

Und wenn man dieses positive Menschenbild kennt, fallen alle Programmpunkte wie Puzzlesteine zusammen.

Was ist zu tun?

Wir sollten dieses Menschenbild genauso offensiv nach außen vertreten und propagieren wie unsere Programmpunkte. Ein möglicher Weg wäre: Ein Einführungskapitel in unser Grundsatzprogramm, das unser Menschenbild als unsere Basis erklärt, mit dem der Konkurrenz in Kontrast setzt und erläutert, wie die detaillierteren Punkte, die dann folgen, daraus abgeleitet werden können.

Dann verstehen die Wähler, dass und warum wir ein Programm haben, das zusammenpasst. Ein Programm, das unsere Werte und Ideale vertritt.

Und er versteht uns, die Piraten, deutlich besser als heute. Nur Verstehen ermöglicht Vertrauen. Vertrauen, das wir brauchen, wenn wir einen Wähler um seine Stimme für vier Jahre bitten. Denn dann kann er verstehen, wie wir „ticken“, und weiss, dass wir, wie auch immer wir uns in den folgenden vier Jahren entscheiden, ein Wertegerüst und ein Menschenbild zugrundelegen, dem er, wenn er es teilt, vertrauen kann.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Menschenbild, Persönliches, Piraten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Was jetzt passieren muss

  1. LifeScienTology schreibt:

    Reblogged this on LifeScienTology und kommentierte:
    Spricht mir aus der Seele. Danke vor allem für die Reflektion unseres Menschenbildes gegenüber dem der anderen Parteien!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s