Simon Sinek und die Piraten, oder: „Why should anybody care about us?“

Ich bin in den späteren 90ern ins Berufsleben eingestiegen. Die Älteren werden sich an die Zeit erinnern: Dotcomblase, erster Internet-Hype… und ganz viele Schaumschläger und Motivationskünstler, die den hippen IT-Fuzzis einzureden versuchten, sie könnten alles erreichen mit der richtigen Einstellung, und wenn wer nicht Millionär wäre, wäre er selber schuld. (Was erstens zur Entsolidarisierung der Gesellschaft beigetragen hat, und zweitens die meisten dieser Gurus nicht daran hinderte, sich mittels krimineller Aktivitäten in den Knast zu befördern.)

Von daher habe ich ein gesundes Maß an Mißtrauen gegenüber Heilsbringern und Marketinggurus aller Art.

Vor ein paar Jahren bin ich jedoch auf eine TED-Präsentation von einem gewissen Simon Sinek gestoßen, die mich wirklich überzeugt hat. Er macht ein paar Aussagen im Bereich Neurobiologie, die ich ihm nicht abkaufe, aber die Grundaussagen funktionieren für mich.

Vor Kurzem habe ich mir die Präsentation das erste Mal seit meinem Parteieintritt angesehen, und dachte fast bei jedem Satz: „Genau! Das passt 100% auf die Piraten! Das sollten wir uns zu Herzen nehmen!“

Hier ist der Link auf die Präsentation. Sie dauert ca. 18 Minuten, und es sind 18 sehr gut investierte Minuten für jeden, der überzeugen muss.

Simon Sinek: Why, not What

Sinek geht davon aus, dass es drei Ebenen in der Kommunikation gibt. Er malt sie in drei Kreise. Von aussen nach innen:

  1. What: Was tut eine Organisation? Was sind die Produkte? Jede Organisation, 100%, ohne Ausnahme, weiss das.
  2. How: Was macht den Mehrwert gegenüber dem Wettbewerb aus? Wie erzeugt eine Organisation Mehrwert? Hier wird es schon schwieriger, und nicht jeder Mensch oder jede Organisation kann auf Anhieb definieren.
  3. Why: Warum tut eine Organisation oder Person, was sie tut? (Gewinn/politische Mehrheit ist kein „why“, es ist ein Ergebnis). Warum existiert eine Organisation? Und warum sollte sie irgendwen interessieren? Die allerwenigsten Organisationen haben hier eine wirklich gute Antwort.

Die Konsequenz ist, dass die meisten Organisationen von aussen (gut greifbar) nach innen (unscharf, schlecht definiert) kommunizieren.

Die wirklich inspirierenden Beispiele (er nennt Apple – die Rede war 2010 -, die Wright-Brüder und Martin Luther King) kommunizieren von innen nach außen.

Kernthese von Sinek, warum das so gut funktioniert: „People don’t buy what you do, they buy why you do it! And what you do only serves as a proof of what you believe.“

Die Beispiele für „von innen nach außen“ solltet Ihr Euch selber ansehen, besonders das mit Apple.

Die Aussagen über das Gehirn wird ein Medizinstudent mit Sicherheit leicht widerlegen können, aber die Grundaussage wird dadurch nicht falsch.

Für mich passt das genau auf unsere Kommunikation.

  1. Das „What“ sind die konkreten Forderungen in unseren Programmen. Und genau wie die meisten Firmen ihre Kundenansprachen damit beginnen, tun wir das z.B. an Infoständen auch: wir beantworten Fragen von Passanten gerne konkret mit ausformulierten Positionen.
  2. Das „How“ sind dann das, was ich mal als „Großthemen“ bezeichnen will: Transparenz, Bürgerbeteiligung, BGE, Netzneutralität, Internetthemen.
  3. Und das „Why“? Das ist das, was ich noch nirgendwo klar ausformuliert vorgefunden habe. Aber nicht nur bei uns, sondern auch nicht bei der Konkurrenz. Hier kommen wir zum Thema „Menschenbild“. Was ist unser Menschenbild, von dem wir unsere Kernthemen und Positionen ableiten? Was verbindet unsere Positionen zu einem Großen, Ganzen?

Seit ich Pirat bin, habe ich versucht, mir die Antwort auf das „Why?“ aus meinen Erfahrungen bei den Piraten abzuleiten. Ich engagiere mich unter anderem so im Wahlkampf, weil ich nach einem dreiviertel Jahr für mich persönlich eine vage, nicht wirklich ausformulierte Antwort gefunden habe, die das alles sinnvoll macht. (Denkt dran: „the inner part of the brain has no capacity for language“).

Ich werde im Rahmen der Diskussionen um Inhalte in meinem KV meine Ideen zu einem piratigen Menschenbild, und den daraus resultierenden Ableitungen unserer Themen und Positionen, zu Pad bringen.

Mein Appell an alle Leser: schaut Euch das Video an, es lohnt sich! Für die Arbeit bei den Piraten genauso wie für viele, viele andere Gelegenheiten.

Und findet Euer persönliches „Why“.

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  1. Pingback: Erster Entwurf: Piratiges Menschenbild | Leichtmatrose

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