Befindlichkeiten, Verständnis, Zusammenarbeit (hoffentlich)

Das wird ein aus meiner Sicht notwendiger, aber schwer zu schreibender Blogpost.

tl;dr: Die Handreichungsangebote der meisten liberalen Piraten sind genuin; sie anzunehmen könnte eine Spaltung vermeiden.

Es geht um die Ereignisse rund um den aBPT in Halle. Beziehungsweise auch um die Zeit danach. Und davor.

Auf dem aBPT kam es zu Ergebnissen, die viele progressive Piraten erschüttert haben. Die Gründung der Progressiven Plattform ist das deutlichste Zeichen dafür, aber nicht das einzige. Auf Blogposts und auf Twitter wurden die Geschehnisse teils sehr emotional diskutiert. In der Presse, wie zum Beispiel der taz, wird über eine Abspaltung des LV Berlin diskutiert.

Gleichzeitig haben viele liberale Piraten z.B. im Rahmen von „1000 Hände“ eine weitere Zusammenarbeit mit den Progressiven angeboten. Zunächst sah es so aus, als ob dies von Erfolg (für alle Piraten) sein könnte. Mittlerweile nehme ich aber leider verstärkt wieder ablehnende Statements wahr; mehr dazu vielleicht in einem weiteren Posting.

Ich selber bin meist, aber nicht immer, positionell auf liberaler Seite. Wichtig ist mir allerdings eine vielfältige, bunte Partei, in der möglichst viele Strömungen zusammenkommen und gemeinsam an guten Lösungen zu Problemen unserer Zeit arbeiten.

Für mich ist die Zeit seit dem Flaggengate sehr schwer. Ich habe vieles gefühlt, was die progressiven Piraten nach dem aBPT gefühlt haben: das Gefühl, abgelehnt zu werden. Enttäuschung über den BuVo und dessen Schweigen zu vielem, was zu kritisieren gewesen wäre. Das im verlinkten taz-Artikel angesprochene habituelle Problem (ich bin eher vom Typus Netzwerk-Admin als Antifa-Aktivist, um die taz-Sprache zu bemühen) kenne ich auch. Die Frage, ob das noch meine Partei ist. Ob ich überhaupt noch erwünscht bin. Die aus dieser Situation resultierende tiefe Frustration.

All das habe ich an mir selber erlebt. Und aus Gesprächen mit anderen Piraten aus dem liberalen Lager weiß ich, dass es nicht nur mir so ging, sondern dies die Grundstimmung etlicher liberaler Piraten war.

Vom aBPT habe ich mir einen Vorstand gewünscht, der die Proportionen zwischen den Flügeln abbildet. Von mir wird es daher keinen Jubel darüber geben, dass der BuVo zu 100% von „meinem“ Flügel (dem ich mich auch nicht zu 100% zugehörig fühle, aber sei’s drum) gestellt wird. Liberale Mehrheit: ja, auch eine klare Mehrheit, weil dies offensichtlich dem Proporz in der Partei entspricht, aber kein Totalausschluss der Progressiven. Von daher ist für mich das Ergebnis auch eher gemischt.

Ich fände es nur extrem schade, wenn die Progressiven jetzt gehen würden. Wir brauchen alle Strömungen. Daher habe ich mich über „1000 Hände“ gefreut, mich selber beteiligt und das auch ernst gemeint.

Das ist meine Kernbotschaft an die progressiven Piraten: „1000 Hände“ ist von den allermeisten Liberalen ernst gemeint. Es geht nicht um Triumphgeheul oder „macht gefälligst weiter mit der Arbeit, aber unter unserer Führung“, oder Ähnliches. Viele Liberale wissen genau, was ihr fühlt, weil wir es umgekehrt ganz genau so erlebt haben.

Eben weil ich emotional erlebt habe, was die Progressiven erleben, meine ich das ernst. Mir ging es nie und geht es nicht darum, dass die Anderen jetzt „auch mal erleben, wie das ist“. Nein. Auf keinen Fall. Ich wünsche diese emotionale Achterbahnfahrt niemandem.

Was ich ausdrücken will: beide Seiten hatten sehr belastende Erlebnisse. Und die Frustration beider Seiten ist verständlich und legitim. Daher sollten wir alle jetzt versuchen, offen und wertschätzend aufeinander zuzugehen. Weil so viele diese negativen Emotionen erlebt haben, flügelübergreifend.

Liebe Progressive, bitte schlagt ausgestreckte Hände nicht aus. Ergreift sie und redet mit den Anderen. Ohne Beleidigtsein. Ohne Vorleistungen zu fordern. Einfach reden.

Liebe Liberale, bitte hört genau zu, was die andere Seite zu sagen hat. Und wenn es da Verletzungen gibt, die ihr selber nicht so seht, denkt daran, dass das im Vorfeld des aBPT insbesondere beim Bombergate umgekehrt genauso war.

Und hoffentlich werden wir wieder zu dieser schrillen, bunten, vielfältigen Truppe, die ich auf meinem ersten BPT (Bochum eins) kennengelernt habe.

Summary: Alle haben emotional gelitten. Daher sollten alle in der Lage sein, sich in die andere Partei hineinzuversetzen und Empathie zu entwickeln.

Danke fürs Lesen dieses Rants.

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