Der BPT 151 aus meiner Sicht

Was geschah

Puh, das war ein langes Wochenende. Und es ist noch nicht vorbei, weil ich diese komische Idee hatte, mein Jobticket für die Fahrt nach Würzburg und zurück zu nutzen (Würzburg ist der äußerste östliche Bahnhof, der noch abgedeckt ist, und den ich daher kostenlos erreiche.) Das kann dauern… Aber sei’s drum, dann nutze ich die Zeit eben, um meine Eindrücke schonmal in Blogform zu gießen.

Würzburg war anders als alle anderen Piraten-BPTs, auf denen ich bisher war. Und wenn ich mich nicht vertue, war ich seit 2012.2 (auch bekannt als “Bochum 1”) auf allen BPTs.

Wenn ich den BPT unter ein Motto stellen sollte, dann wäre das “Kontinuität”.

Was hat alles “gefehlt”, im Sinne von “war abwesend”, nicht unbedingt im Sinne von “habe ich vermisst”?

  • GO- und TO-Schlachten. Die fanden kaum statt. Einzelne Versuche, die TO so umzugestalten, dass sie signifikant geändert worden wäre – etwa durch das Vorziehen von diskussionsintensiven Anträgen -, wurden von der Versammlung abgelehnt.
  • Manöver rund um die Versammlungsleitung, Wahlleitung und Orga. Die wurden aufgestellt, abgestimmt und eingesetzt, und mir ist nichts aufgefallen, was da dann schiefgelaufen wäre. Insgesamt war die Orga wieder top! Halle, Catering, Kinderbetreuung, Presseorganisation, PShop, einfach alles, was ich gesehen habe, hat gut funktioniert. Stream etc. kann ich nicht beurteilen, weil ich den nicht genutzt habe. Es gab bei der Flaschenpost aber immer einen Ticker, der aktuell gehalten wurde (schamlose Eigenwerbung, weil ich daran beteiligt war!).
  • Offene Flügelschlachten. Bei den Befragungen bei Kandidaten und Anträgen gab es durchaus kritische Fragen, die in diese Richtung gingen, aber das ist ja nicht grundsätzlich schlecht; es kommt immer darauf an, wie so etwas ausgetragen wird. Und in Würzburg wurden zwar Differenzen, aber keine unüberbrückbaren Gräben sichtbar.
  • Beschimpfungen von Rednern. Bei früheren BPTs gab es das durchaus, und zwar quer über die Flügel hinweg, man denke nur an Halle. Diesmal war das größte Problem der Versammlungsleitung zeitweise eine unhöfliche Grundlautstärke und Quatschen im Publikum. Das heißt nicht, dass es gar nichts gab, ich habe nur nichts bemerkt.
  • Gewaltandrohungen. Weder im Vorfeld noch während des BPTs war da was. Im Gegensatz zu den BPTs davor.
  • Trollanträge aller Art. Überhaupt schienen die Trolle mehrheitlich im Sommerurlaub zu sein. (Nachtrag: gegen 18 Uhr Sonntagabend scheint es doch noch eine Trollschlacht gegeben zu haben, aber das gehört wohl so, und ich habe sie leider verpasst, weil ich schon im Zug saß.)
  • Gates, Shitstorms etc. Die meisten Shitstorm-ähnlichen Äußerungen, die ich gelesen habe, kamen von Leuten auf Twitter, die gar nicht da waren. Manchmal hatte ich da den Eindruck, dass der Wunsch der Vater des Gedanken bzw. Tweets war.

Die Vorstandswahlen liefen teilweise etwas verwirrend, weil die Kandidatenlisten, über die wir abgestimmt haben, oft wenig oder nichts mit den Kandidaturankündigungen im Wiki zu tun hatten. Ich persönlich finde das nicht so toll, weil ich mir vor BPTs immer die Zeit nehme, mir die Kandidaten anzuschauen, und auch, um ihre Befragungen im Mumble, Krähennest oder der Flaschenpost zu lesen oder zu hören. Die Arbeit war dieses Mal weitgehend für die Katz’. Leute, bitte überlegt Euch gut, ob Ihr kandidieren wollt, und wenn Ihr dies tut – zieht es auch durch!

Der neue BuVo entspricht weitgehend dem alten BuVo; auch das läuft unter “Kontinuität”. Ob das gut oder schlecht ist, will ich gar nicht beurteilen, ich will es hier nur beschreiben, wie ich es wahrnehme.

Bewertung

Für mich war Würzburg ein ruhiger, konzentrierter Arbeitsparteitag. Es fehlte das Schrille, Chaotische. Irgendwie fühlte es sich piratenuntypisch an. Aber die Ergebnisse können sich weitgehend sehen lassen.

Ich bin mir noch nicht so ganz sicher, wohin die Reise jetzt geht. Die Piraten sind definitiv auf dem Weg in die Normalität. Teilweise vermisse ich schon das Chaotische, auf der einen Seite hat uns das zwar viel Spaß gemacht – wer könnte schon die ganzen schrägen Vögel von Bochum 1 vergessen, oder die Aufnahmerituale der AG Dicke Piraten mit der Wippe? -, auf der anderen Seite skaliert das nicht und führt auch nicht zu den Ergebnissen, die wir uns wünschen, um die Zukunft des Landes (und darüber hinaus auch Europas, mindestens) mitgestalten zu können. Dafür braucht es Verlässlichkeit und Seriosität. Die hatten wir bei diesem BPT.

Wir dürfen allerdings nicht zulassen, dass wir wie alle anderen Parteien werden: langweilige Abziehbilder von an Machterringung und Machterhalt interessierten Politikern.

Insgesamt denke ich aber nicht, dass kurz- oder mittelfristig diese Gefahr besteht. Dafür sind wir doch immer noch zu bunt. Und man darf auch nicht Hass, überbordende Konflikte und hochproblematisches Sozialverhalten, egal von wem, mit Spontanität und Kreativität verwechseln!

Ich denke abschließend, dass wir jetzt eine Chance haben, all das umzusetzen, was wir immer schon tun wollten – besonders die Online-Basisbeteiligung! Dann könnten wir eine gute Balance zwischen politischer Gestaltungsmöglichkeit durch breite Beteiligung der Mitglieder auf der einen Seite und pfiffigen Aktionen auf der anderen Seite finden. Die Tatsache, dass wir auf Bundesebene jetzt eine stärkere Kontinuität als früher haben, kann bei der Umsetzung nur helfen, denn vieles ist schon eingespielt. Der BuVo muss sich nicht erst finden, sondern kann von Tag 1 an weiterarbeiten, was bei unseren relativ kurzen Amtsperioden definitiv ein Vorteil ist. Wir können also schneller durchstarten.

Lasst uns was draus machen!

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Eine Antwort zu Der BPT 151 aus meiner Sicht

  1. einPirat schreibt:

    Ja, gegen 17:30 wurde der bisherige Konsens, keine TO-Änderungen vorzunehmen, gebrochen, und zwar durch den Parteivorsitzenden persönlich als Antragsteller initiiert – mit dem Argument, man möge doch die bisherige Parteitagseintracht für etwas ganz, ganz wichtiges erhalten, und zwar ausgerechnet das Vorziehen der Behandlung des äußerst umstrittenen SÄA001, der die Parteifinanzmittelverteilung undemokratisch an einen sogenannten, selbsternannten „Schatzmeisterclub“ delegiert. Zur Bekräftigung der Wichtigkeit durften sich während der Antragsdikussion und der Abstimmung noch ein paar Antragsteller(?), darunter einige Schatzmeister, auf die Bühne begeben, was auch nicht gerade üblich ist. Das hat dann dazu geführt, daß sich der Parteitag weit über 18 Uhr hinauszog, da der Antrag unbedingt bis zur Abstimmung durchgezogen werden sollte, während viele Teilnehmer schon zusammenpacken und abreisen mußten, da die Verkehrsmittel auch nicht warten, und der nächste Werktag bevorsteht. Besser wäre gewesen, die Antragsbehandlung spätestens um 18 Uhr auf den nächsten BPT zu vertagen, oder aber in der letzten halben Stunde stattdessen gemäß der verabschiedeten TO noch die nächsten Programmanträge zu behandeln, zu denen vermutlich weitaus weniger Redebedarf bestand. Diese, vermutlich im Vorfeld geplante, Antragsregie hat dem Parteitag einen sehr faden Beigeschmack gegeben, zumal der Antrag dann, bei natürlich entsprechend kümmerlicher Wahlbeteiligung, das 2/3-Quorum mit 68 % nur knapp erreicht hat.

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