Meine Sicht auf den GenSek-Fail beim BPT16.2

Am Samstagabend wurde nach einer Nachwahl Hermi als Generalsekretärin abgewählt. Gewählt wurde Michael Kurt Bahr.

So weit, so normal, könnte man meinen. Schließlich leben wir in einer demokratischen Gesellschaft, und engagieren uns in einer demokratischen Partei. Und trotzdem.

Eine Partei sollte, wie jede demokratische Organisation, wissen, wen und was sie wählt. Für die Wahl zum BuVo sollten meiner Meinung nach Kandidaten einige essentielle Eigenschaften mitbringen. Zum Beispiel, wenn auch nicht abschließend:

  • Fachkompetenz auf der Position, für die der Kandidat sich bewirbt.
  • Teamfähigkeit.
  • Ein Gefühl dafür, welche Themen auf der Position, für die der Kandidat sich bewirbt, der Kandidat wie angehen will. Was er so lassen will, wie es ist, weil es funktioniert. Was er ändern will, und warum. Was er neu anstoßen will.

Ich hatte bisher mit Hermi nicht direkt zu tun, und ich kenne Michael Kurt Bahr nicht. Es ist mir wichtig, zu betonen, dass ich daher ausschließlich meine Eindrücke hier wiedergeben kann. Diese Eindrücke können auch lückenhaft sein, weil ich nicht immer 100% jedem Wort jedes Kandidaten gefolgt bin; man möge mir das nachsehen. Daher erheben meine Eindrücke nicht den Anspruch, eine Bewertung einer Person zu geben, die ich wie gesagt aus persönlicher Nichtkenntnis mir gar nicht anmaßen kann. Es kann also alles gut werden. Kann, muss aber nicht. Die Zukunft wird es zeigen. Das ist aber auch nicht der Kern dieses Postings.

Einschub: Spontankandidaturen

Spontankandidaturen haben bei mir immer einen Malus. Die Kandidaten, die sich „rechtzeitig“ (nicht im juristischen Sinn, denn Spontankandidaturen sind natürlich immer möglich) aus der Deckung wagen, schaffen Öffentlichkeit. Setzen sich z.B. auch Kritik aus, wenn sie sich im Mumble oder von der Flaschenpost interviewen lassen. Machen sich damit angreifbar.

Spontankandidaten weichen dem aus. Die Wähler haben deutlich weniger Möglichkeiten, sich mit solchen Kandidaten zu beschäftigen. Spontankandidaten können ihre Wahrnehmung durch die Wähler deutlich besser steuern. Diesen Vorteil kompensiere ich damit, dass sie bei mir mit Minuspunkten ins Rennen gehen. 

Es kann aber natürlich sein, dass Spontankandidaten so gut sind, dass ihre Qualifikation diese Nachteile überwiegt. Marina Weisband ist ein Beispiel hierfür.

Ich sehe grundsätzliche Probleme mit der GenSek-Wahl, die wirklich wehtun. 

Womit überzeugt man den Piraten-Wähler

Mir hat sich nicht erschlossen, was genau der Plan von Michael Kurt ist. Ich weiß, wogegen er ist, nämlich gegen die Ergebnisse und mutmaßlich die Arbeitsweise von Hermi bei genau einem Thema, der Sache mit dem PShop.

Ich habe weder wahrgenommen, warum er für den GenSek besonders qualifiziert ist, noch, was, vom PShop-Thema abgesehen, seine Pläne für das nächste Jahr sind. Laut Wiki hat er viele Ämter innegehabt, aber das bleibt vage.

In allererster Linie habe ich mitgenommen, dass der PShop für ihn so schlimm ist, dass er Kandidat aus Notwehr ist. Ich hörte viel davon, wogegen er ist, und zumindest bei mir kam es auch als implizite Angriffe auf Hermi an.

Ich finde es bedenklich, wenn man auf einem negativen, mindestens implizit gegen Personen gerichteten Ticket in den BuVo gewählt werden kann. Ich habe da andere Ansprüche an BuVo-Kandidaten, siehe die Liste oben.

Meine Sicht auf Hermis Arbeit, und Amtsträgerarbeit generell

Hat Hermi Fehler gemacht? Zweifellos! Sie hat gearbeitet, das hat man im letzten Jahr und in ihrem Rechenschaftsbericht gut sehen können. Wer arbeitet, macht Fehler. Und wisst ihr was? Das ist in Ordnung!

Wenn man nämlich keinen Fehler machen darf, dann spielt man Beamten-Mikado. Das wäre für die Piraten dann der komplette Stillstand. Und ich denke, auch dann gäbe es Kritik.

Mal generell betrachtet: wenn Themen zur Entscheidung anliegen, dann ist es besser, Entscheidungen zu treffen und zu arbeiten und 51% gute Entscheidungen zu treffen (bei 49% falscher Entscheidungen), als nicht  zu entscheiden oder zu arbeiten. Und ich finde, dass Hermi deutlich mehr als 51% ihrer Aufgaben richtig und gut erledigt hat. Daher sehe ich sie und ihre Arbeit positiv, und einen Wahlsieger, dessen Hauptargument implizit ein Anti-Hermi-Ticket ist, skeptisch.

Welche Art der Feedbackkultur haben wir

Die Wahl hat mir gezeigt, dass wir uns tendenziell auf das Negative konzentrieren. Eine Wertschätzung geleisteter Arbeit und ein Abwägen zwischen dem, was gut gelaufen ist, und dem, was (unvermeidlich) falsch läuft, findet nicht statt.

In der freien Wirtschaft gibt es in den meisten Firmen eine viel fortgeschrittenere Feedbackkultur. Dort wird in der Regel das Positive gewürdigt und Kritik mit Verbesserungsvorschlägen kombiniert. Und dies, obwohl die Mitarbeiter dort in der Regel mehr auf den Job angewiesen sind als die Firma auf die Mitarbeiter. Bei ehrenamtlichen Organisationen ist das Weggehen viel einfacher.

Verglichen damit haben wir ein extrem negatives Feedbackverhalten. Und das bei ehrenamtlichen Mitarbeitern, die extrem viel Arbeit und oft auch eigenes Geld investieren, um dann was zu bekommen? Lob? Fehlanzeige. Shitstorms und Ad Hominem.

Das muss dringend besser werden. Sonst finden wir bald keine motivierten und fähigen Kandidaten mehr. Denn wer engagiert ist und wertvolle Fähigkeiten hat, der ist nicht auf die Piraten angewiesen, der kann sich an vielen Stellen und in vielen Organisationen einbringen. Anders herum läuft der Hase: die Piraten sind auf solche Leute angewiesen! 

Das sollten wir immer bedenken. Und auch mal dankbar sein, das Gute würdigen und nicht immer nur meckern.

Was meinen Frust über die Wahl erklärt.

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