Ich bin wieder da… und gleich geht es auf große Fahrt

So, ich muss etwas loswerden.

Ich engagiere mich wieder bei den Piraten. Die Ereignisse der letzten Zeit haben mir klargemacht, dass wir eine Partei brauchen, die ein positives Menschenbild hat sowie eine Vision für die Gestaltung der Gesellschaft für die Menschen im Internetzeitalter.

Und praktisch sofort habe ich die Chance bekommen, als Redakteur für die Flaschenpost zu arbeiten.

Ich freue mich! Das Team ist extrem gut, die Arbeit macht Spaß, ich schreibe gern, und ich lerne permanent dazu.

Baden-Württemberg werde ich im Wahlkampf 2016 auch unterstützen. Ich erinnere mich gerne an den Bundestagswahlkampf 2013 und freue mich auch hier darauf, das Gelernte wieder einzusetzen.

Hier könnt ihr also wieder deutlich mehr Piratiges erwarten.

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Ich werde wieder mehr schreiben

Dieses Blog ist etwas verwaist gewesen. Ich werde jetzt wieder mehr schreiben. Der Grund liegt unter anderem darin, dass ich jetzt wieder einen aktuellen, einsatzfähigen Mac habe. Auf dem läuft jetzt MarsEdit, und damit ist Bloggen einfach und macht Spaß.

Unter Linux mit Blogilo war das keine Freude, auf dem iPad gab es auch keine wirklich überzeugende App fürs Bloggen, und die Browseroberfläche von WordPress überzeugt mich überhaupt nicht.

Außerdem gibt es viel, worüber ich schreiben kann und will.

Stay tuned!

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Befindlichkeiten, Verständnis, Zusammenarbeit (hoffentlich)

Das wird ein aus meiner Sicht notwendiger, aber schwer zu schreibender Blogpost.

tl;dr: Die Handreichungsangebote der meisten liberalen Piraten sind genuin; sie anzunehmen könnte eine Spaltung vermeiden.

Es geht um die Ereignisse rund um den aBPT in Halle. Beziehungsweise auch um die Zeit danach. Und davor.

Auf dem aBPT kam es zu Ergebnissen, die viele progressive Piraten erschüttert haben. Die Gründung der Progressiven Plattform ist das deutlichste Zeichen dafür, aber nicht das einzige. Auf Blogposts und auf Twitter wurden die Geschehnisse teils sehr emotional diskutiert. In der Presse, wie zum Beispiel der taz, wird über eine Abspaltung des LV Berlin diskutiert.

Gleichzeitig haben viele liberale Piraten z.B. im Rahmen von „1000 Hände“ eine weitere Zusammenarbeit mit den Progressiven angeboten. Zunächst sah es so aus, als ob dies von Erfolg (für alle Piraten) sein könnte. Mittlerweile nehme ich aber leider verstärkt wieder ablehnende Statements wahr; mehr dazu vielleicht in einem weiteren Posting.

Ich selber bin meist, aber nicht immer, positionell auf liberaler Seite. Wichtig ist mir allerdings eine vielfältige, bunte Partei, in der möglichst viele Strömungen zusammenkommen und gemeinsam an guten Lösungen zu Problemen unserer Zeit arbeiten.

Für mich ist die Zeit seit dem Flaggengate sehr schwer. Ich habe vieles gefühlt, was die progressiven Piraten nach dem aBPT gefühlt haben: das Gefühl, abgelehnt zu werden. Enttäuschung über den BuVo und dessen Schweigen zu vielem, was zu kritisieren gewesen wäre. Das im verlinkten taz-Artikel angesprochene habituelle Problem (ich bin eher vom Typus Netzwerk-Admin als Antifa-Aktivist, um die taz-Sprache zu bemühen) kenne ich auch. Die Frage, ob das noch meine Partei ist. Ob ich überhaupt noch erwünscht bin. Die aus dieser Situation resultierende tiefe Frustration.

All das habe ich an mir selber erlebt. Und aus Gesprächen mit anderen Piraten aus dem liberalen Lager weiß ich, dass es nicht nur mir so ging, sondern dies die Grundstimmung etlicher liberaler Piraten war.

Vom aBPT habe ich mir einen Vorstand gewünscht, der die Proportionen zwischen den Flügeln abbildet. Von mir wird es daher keinen Jubel darüber geben, dass der BuVo zu 100% von „meinem“ Flügel (dem ich mich auch nicht zu 100% zugehörig fühle, aber sei’s drum) gestellt wird. Liberale Mehrheit: ja, auch eine klare Mehrheit, weil dies offensichtlich dem Proporz in der Partei entspricht, aber kein Totalausschluss der Progressiven. Von daher ist für mich das Ergebnis auch eher gemischt.

Ich fände es nur extrem schade, wenn die Progressiven jetzt gehen würden. Wir brauchen alle Strömungen. Daher habe ich mich über „1000 Hände“ gefreut, mich selber beteiligt und das auch ernst gemeint.

Das ist meine Kernbotschaft an die progressiven Piraten: „1000 Hände“ ist von den allermeisten Liberalen ernst gemeint. Es geht nicht um Triumphgeheul oder „macht gefälligst weiter mit der Arbeit, aber unter unserer Führung“, oder Ähnliches. Viele Liberale wissen genau, was ihr fühlt, weil wir es umgekehrt ganz genau so erlebt haben.

Eben weil ich emotional erlebt habe, was die Progressiven erleben, meine ich das ernst. Mir ging es nie und geht es nicht darum, dass die Anderen jetzt „auch mal erleben, wie das ist“. Nein. Auf keinen Fall. Ich wünsche diese emotionale Achterbahnfahrt niemandem.

Was ich ausdrücken will: beide Seiten hatten sehr belastende Erlebnisse. Und die Frustration beider Seiten ist verständlich und legitim. Daher sollten wir alle jetzt versuchen, offen und wertschätzend aufeinander zuzugehen. Weil so viele diese negativen Emotionen erlebt haben, flügelübergreifend.

Liebe Progressive, bitte schlagt ausgestreckte Hände nicht aus. Ergreift sie und redet mit den Anderen. Ohne Beleidigtsein. Ohne Vorleistungen zu fordern. Einfach reden.

Liebe Liberale, bitte hört genau zu, was die andere Seite zu sagen hat. Und wenn es da Verletzungen gibt, die ihr selber nicht so seht, denkt daran, dass das im Vorfeld des aBPT insbesondere beim Bombergate umgekehrt genauso war.

Und hoffentlich werden wir wieder zu dieser schrillen, bunten, vielfältigen Truppe, die ich auf meinem ersten BPT (Bochum eins) kennengelernt habe.

Summary: Alle haben emotional gelitten. Daher sollten alle in der Lage sein, sich in die andere Partei hineinzuversetzen und Empathie zu entwickeln.

Danke fürs Lesen dieses Rants.

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Ich tauche ab

Ahoi Piraten (nautische Metapher: Check!),

das folgende Posting ist sehr persönlich; es schildert meine ganz eigene Wahrnehmung der Situation. Da die Wahrnehmung die Welt konstruiert (Konstruktivismus), ist sie meine Welt, auch wenn sie nicht Eure Welt ist. Bitte berücksichtigt dies.

Bitte verzeiht mir, aber: ich mache eine Pause. Eine echte Pause. Nicht nur die Erholung, die ich mir nach der Bundestagswahl gegönnt habe.

Dafür gibt es viele Gründe. Persönliche Gründe. Politische Gründe. Ich muss mich sammeln und darüber nachdenken, wie ich die mir wichtigen Themen möglichst gut umsetzen kann.

In den letzten Tagen haben sich viele Dinge ereignet. Wir hatten einen tollen LPT in Heidelberg. Dort haben wir die Früchte der Arbeit von vielen engagierten Piraten eingefahren (mein Dank an moonopool und traumrennerin und all die vielen tollen Piraten!) und uns eine wegweisende SMV gegeben. Wir haben einen neuen LaVo, und eine ganze Menge Anträge haben wir auch durchbekommen. Im Prinzip die komplette Agenda. Natürlich war Heidelberg nicht perfekt – nichts ist perfekt. Die Geschehnisse um Marco fand ich nicht so gut.

Trotzdem war es ein toller, motivierender Parteitag.

Dann kam die Sache mit Bombergate. Ich habe in verschiedensten Tweets auf die Unschuldsvermutung gegenüber Anne hingewiesen (und weiß bis heute nicht definitiv, dass sie in Dresden blankgezogen hat). Hat es genutzt? Nein, Null.

Die Aktion als solche halte ich für Mist, und das sagte und sage ich auch öffentlich. Again: Ob es Anne war, ließ und lasse ich offen: Unschuldsvermutung.

Was noch heftiger kam, waren die Schüttelreime der Julia Schramm; Zitat: „Sauerkraut, Kartoffelbrei – Bomber Harris, Feuer frei“. Die Tatsache, dass diese Frau, die ja nicht ganz unprominent ist, so etwas verbreitet, ist mir vollkommen unverständlich. Genauso wie das Schweigen von Thorsten Wirth hinsichtlich ihrer Mitarbeit in seinem Team.

Egal.

Das waren nur Beispiele eines generellen Phänomens: Praktisch immer, wenn etwas Tolles passiert, kommt direkt danach das nächste Gate.

Es wird mir zuviel. Ich bin äußerlich meist eher ruhig, aber erlebe solche Konflikte innerlich sehr emotional. Ich denke mich immer in die Beteiligten ein, und leide innerlich mit. Kann sein, dass ich HSP („Highly Sensitive Person“; siehe Wikipedia) bin, die entsprechenden Tests im Internet sagen „ja“, aber ich war noch nicht bei einem Fachmann, um das prüfen zu lassen, und habe das auch nicht vor, weil ich diesen Zustand manchmal als problematisch, oft aber auch als bereichernd erlebe.

Aber diese emotionalen Achterbahnfahrten packe ich auf meine alten Tage nicht mehr.

Ein weiteres Problem ist für mich, dass unsere Sozialstrukturen nicht skalieren. Auf KV-Ebene und, siehe LPT, im Land klappt das mit der Politik, von unschönen Scharmützeln um Marco abgesehen, sehr gut, besonders wenn man sich im Real Life trifft. Nach oben zum Bund scheitert das. Und das ist ein massives Thema für uns.

Da arbeiten über 100 Piraten in Heidelberg extrem gut zusammen. Und dann kommen zwei Mädels in Dresden auf die Idee, ihre Titten und Slogans in die Kamera zu halten, was leider unabhängig von der Unschuldsvermutung Diskussionen um Opfer, Täter und Annes Verwicklung auslöst, und eine dritte twittert… siehe oben.

Einige Wenige schaffen es in die Presse, und zwar auf eine Art, die die viele gute Arbeit von Vielen konterkariert. Und dadurch, dass diese Wenigen unsere Wahlchancen torpedieren, verhindern sie, dass unser tolles Programm eine Chance auf Umsetzung in politischen Gremien bekommt.

Das ist unser organisatorisches Problem. Deshalb skalieren wir nicht. Deshalb haben wir bei den Wählern ein Problem. Deshalb bin ich pessimistisch für die Europawahl, wenn auch deutlich weniger für die Kommunalwahl (siehe oben: regional performen wir richtig toll).

Ein weiterer Punkt: Lagerbildung und Kampf um die Deutungshoheit.

Ich habe mich selber mehrfach, und in letzter Zeit immer öfter, dabei ertappt, wie ich mit der Schere im Kopf operiert habe. Wie ich Tweets, die total Mainstream im globalen Piratenuniversum waren, nicht retweetet habe. Wie ich meine (typischerweise gemäßigten Middle-of-the-Road-) Positionen nicht getweetet habe. Weil ich wußte, wie das Echo aus den Reihen einer kleinen, aber lauten Minderheit gewesen wäre (über die Zeit hinweg unterschiedliche, laute Minderheiten…). Weil ich (HSP, siehe oben) darauf schlicht keine Lust hatte. Dafür keine Kraft hatte.

Das ist schlecht. Das sagt mir, dass hier etwas fundamental falsch läuft. Denn es sagt mir auch, dass wir uns von der urliberalen Partei, in der unterschiedlichste Flügel zusammenarbeiten konnten, auch wenn es kleinere Sticheleien gab, wegentwickelt haben zu einer gespaltenen Partei, in der Vielfalt und unterschiedliche Meinungen nicht mehr wertgeschätzt werden, sondern man „den anderen“ (wer auch immer das sei) „besiegen“ müsse.

Das ist nicht mein Ding. Tut mir leid.

Ich muss mir also klar darüber werden, ob ich meine Interessen, die mich zu den Piraten gebracht haben – Bürgerrechte, Inklusion, Datenschutz, Transparenz, Teilhabe, Freiheit, auch „Freiheit zu“ im Sinne einer Grundsicherung, die Freiheit möglich macht -, mit dem Mittel einer politischen Partei oder besser durch Zweckorganisationen wie Digital Courage und den CCC erreichen kann.

Ich nehme mich ab jetzt extrem zurück. Alle bis auf 4 oder 5 Mailinglisten sind abbestellt. Ich werde Twitter nur noch sporadisch lesen. Ich werde mich aus den Wahlkämpfen heraushalten – Europa aus den genannten Gründen, Kommunal, weil ich in einem Kaff lebe, in dem wir keine Liste haben. Kann sein, dass ich mal den einen oder anderen Stammtisch besuche, weil ich bei den Piraten so viele tolle Menschen kennengelernt habe. Möglicherweise, auch wenn das unwahrscheinlich ist, werde ich sogar mal eine KMV besuchen – unakkreditiert, denn es geht mir um die Menschen. Mal sehen.

Ich werde noch nicht austreten. Das wäre verfrüht.

Ich brauche eine Zeit der inneren Einkehr und der Reflexion. Und die werde ich mir nehmen. Möglich, dass diese das ganze Jahr dauert. Die Fragen, über die ich nachdenken muss, sind wichtig genug, mir die Zeit zu nehmen.

Die Kommentarfunktion dieses Blogs werde ich deaktivieren, oder Kommentare, die eingehen, einfach nicht freischalten, je nachdem, was ich bei WordPress technisch auf die Reihe bekomme.

Ich weiß, dass viele mir bekannte Piraten die Dinge anders sehen. Das ist okay, das ist vollkommen legitim.

Ich hoffe lediglich, dass Ihr mich, nach dem Geschriebenen, versteht.

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Erster Entwurf: Piratiges Menschenbild

Im Rahmen unserer inhaltlichen Arbeit im KV habe ich mal einen Versuch gestartet, eine Argumentationskette vom Menschenbild der Piraten über unsere Kernthemen zu unseren Positionen aufzuzeigen. Vorbild war Simon Sinek, über den ich hier gebloggt habe.

Ich sichere das mal hier, weil es mein sehr persönliches Menschenbild ist, im Pad aber noch durch das Team verfeinert werden kann und soll. Ich bin gespannt, welche Aspekte der Schwarm noch einbringen wird! Vielleicht mache ich mal einen Vorher-/Nachher-Vergleich.

Why? Werte, Welt- und Menschenbild

Piraten sehen Menschen grundsätzlich als freie Individuen. Eingriffe in die Freiheit des Einzelnen sind nur zulässig, wenn sie im Sinne einer Güterabwägung zugunsten der Freiheit anderer notwendig sind.

Freiheit umfaßt dabei mehr als Chancengleichheit. Freiheit umfaßt nicht nur ein „Freiheit von“ im Sinne von Abwehrrechten gegen Einschränkungen durch Staat oder sonstige Organe, sondern auch „Freiheit zu“ im Sinne einer Teilhabe an gesellschaftlichen und politischen Prozessen.

Diese Freiheit gilt für alle Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, religiöser Bekenntnisse oder sogenannter „Behinderungen“.

Piraten glauben, dass der Mensch grundsätzlich positiv zur Gesellschaft beitragen will.

Aus diesen Prämissen ergibt sich, dass es das Ziel politischen Handelns sein muss, jeden Menschen in die Lage zu versetzen, diese Freiheit in seinem Leben umzusetzen und insbesondere in allen gesellschaftlichen und politischen Bereichen gleichberechtigt zu partizipieren.

Wir als Menschen des 21. Jahrhunderts haben eine einmalige Chance, die Gesellschaft anhand der Leitlinien dieses Menschenbildes zu gestalten. Der technische Fortschritt führt auf der einen Seite dazu, dass klassische Produktionsarbeit immer weniger durch Menschen erledigt wird. Auf der anderen Seite ist dies die Chance, den Menschen Entfaltungsmöglichkeiten jenseits des klassischen Arbeitsbildes zu eröffnen.

Ein Beispiel für eine umwälzende Technologie, die der Gesellschaft vollkommen neue Möglichkeiten bietet, aber auch Risiken umfasst, der wir uns als Gesellschaft und als politische Organisation zu stellen haben, ist das Internet im weitesten Sinne, also das Netz selber, aber auch mobile Kommunikationsstrukturen, das „Internet der Dinge“ etc.

Das Internet verändert die Kommunikation wie kein neues Medium seit dem Buchdruck. Die sozialen und gesellschaftlichen Folgen lassen sich Stand heute genauso wenig abschätzen wie die massiven Folgen des Buchdrucks (Zeitung, Presse allgemein, Bildung für breite Schichten, schnelle Propagierung neuer Ideen aller Art, reichweitenstarke Kommunikation für viele statt nur für Kirche und Staat mit allen Folgen wie Reformation, Aufklärung etc.). Das Internet kann sowohl für die Belange der Bürger einer freien Gesellschaft im Sinne von Partizipation, (Selbst-)Organisation genutzt werden, als auch für die Interessen von Wirtschafts- und / oder Repressionsorganisationen. Es ist unsere Aufgabe, sicherzustellen, dass die neuen Möglichkeiten der Freiheit aller dienen und nicht nur dem Nutzen einzelner auf Kosten der Freiheit der Mehrheit.

How? Kernthemen und Themenbereiche. What? Positionen und Forderungen

Aus dem Menschenbild der Piraten leiten sich sowohl die Kernthemen der Piraten ab als auch (indirekt aus Kernthemen und Werten) die Positionen, die wir im Wahlkampf und in der Öffentlichkeit vertreten. Hier seien einige Beispiele genannt; die Liste ist natürlich nicht komplett (dann wäre dieses Dokument so lang wie die Vereinigungsmenge unserer Programme). Ziel dieses Absatzes ist, an Beispielen darzulegen, wie eine Argumentationskette, die von den Zielen und Werten (Menschenbild) der Piraten ausgeht, daraus Themen und Positionen ableiten kann.

Die Botschaft an die Wähler ist, dass wir ein Wertegerüst haben, das es uns erlaubt, auch bei neuen Themen Positionen zu erarbeiten, die unseren Werten entspricht. Ein Wähler, der mit unseren Werten übereinstimmt (Simon Sinek: „The goal is to do business with those who believe what you believe“ ist auch für politische Parteien gültig), weiß dann, dass wir zu Lösungen kommen werden, deren Fundament er teilt.

  1. Netzneutralität und überwachungsfreier Zugang zum Internet für alle. Die Piraten wissen besser als die meisten anderen politischen Organsiationen um das disruptive Potential des Internet. Wir wollen die Regeln des neuen Mediums so gestalten, dass es der angstfreien Teilhabe aller Bürger zugutekommt. Das bedeutet, dass der Bürger die Möglichkeit braucht, sich frei im Netz zu bewegen, ohne Überwachung, Profiling o.ä. befürchten zu müssen. Davon ableitbare Positionen sind:
    1. Netzneutralität: das Internet darf in seiner Ausgestaltung durch neue Anwendungsmöglichkeiten nicht in die Hand von wirtschaftlichen Organisationen fallen, die z.B. durch Einspeisungsgebühren oder Benachteiligung nichtkommerzieller Interessen Innovation blockieren.
    2. Überwachungsfreiheit: Von berechtigten Ausnahmen (begründeter Verdacht auf terroristische Aktivitäten nach Feststellung durch unabhängige Organe zum Beispiel) abgesehen darf es keine generelle Überwachung der Netznutzer geben, die zu einer „Schere im Kopf“ statt angstfreier Nutzung des Netzes führt. Daher ist z.B. die anlasslose Vorratsdatenspeicherung abzulehnen.
  2. Sicherung der wirtschaftlichen Grundversorgung für alle. Wer keine gesicherte wirtschaftliche Existenz hat, sondern von Arbeitgebern, Auftraggebern oder staatlichen Stellen, die sein Verhalten maßgeblich einschränken und bestimmen (Jobcenter) abhängig ist, ist nicht frei in dem Sinne, dass er angstfrei an den gesellschaftlichen Möglichkeiten, die unser Land bietet, partizipieren kann. Die Produktivitätssteigerungen der letzten Jahrzehnte ermöglichen es der Gesellschaft, jedem Bürger die wirtschaftliche Grundsicherung zu gewähren, die diese angstfreie Partizipation ermöglicht.
    1. BGE: Das BGE ist ein Mittel, um das aus unseren Werten abgeleitete Ziel der sicheren Grundversorgung für alle zu gewährleisten.
    2. Freier Netzzugang für alle.

Das waren Beispiele für die Argumentationskette „Why (Menschenbild, Werte) => How (Kernthemen) => What (Positionen)“. Ich denke, diese Art der Argumentation sollten wir in der Praxis ausprobieren.

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Simon Sinek und die Piraten, oder: „Why should anybody care about us?“

Ich bin in den späteren 90ern ins Berufsleben eingestiegen. Die Älteren werden sich an die Zeit erinnern: Dotcomblase, erster Internet-Hype… und ganz viele Schaumschläger und Motivationskünstler, die den hippen IT-Fuzzis einzureden versuchten, sie könnten alles erreichen mit der richtigen Einstellung, und wenn wer nicht Millionär wäre, wäre er selber schuld. (Was erstens zur Entsolidarisierung der Gesellschaft beigetragen hat, und zweitens die meisten dieser Gurus nicht daran hinderte, sich mittels krimineller Aktivitäten in den Knast zu befördern.)

Von daher habe ich ein gesundes Maß an Mißtrauen gegenüber Heilsbringern und Marketinggurus aller Art.

Vor ein paar Jahren bin ich jedoch auf eine TED-Präsentation von einem gewissen Simon Sinek gestoßen, die mich wirklich überzeugt hat. Er macht ein paar Aussagen im Bereich Neurobiologie, die ich ihm nicht abkaufe, aber die Grundaussagen funktionieren für mich.

Vor Kurzem habe ich mir die Präsentation das erste Mal seit meinem Parteieintritt angesehen, und dachte fast bei jedem Satz: „Genau! Das passt 100% auf die Piraten! Das sollten wir uns zu Herzen nehmen!“

Hier ist der Link auf die Präsentation. Sie dauert ca. 18 Minuten, und es sind 18 sehr gut investierte Minuten für jeden, der überzeugen muss.

Simon Sinek: Why, not What

Sinek geht davon aus, dass es drei Ebenen in der Kommunikation gibt. Er malt sie in drei Kreise. Von aussen nach innen:

  1. What: Was tut eine Organisation? Was sind die Produkte? Jede Organisation, 100%, ohne Ausnahme, weiss das.
  2. How: Was macht den Mehrwert gegenüber dem Wettbewerb aus? Wie erzeugt eine Organisation Mehrwert? Hier wird es schon schwieriger, und nicht jeder Mensch oder jede Organisation kann auf Anhieb definieren.
  3. Why: Warum tut eine Organisation oder Person, was sie tut? (Gewinn/politische Mehrheit ist kein „why“, es ist ein Ergebnis). Warum existiert eine Organisation? Und warum sollte sie irgendwen interessieren? Die allerwenigsten Organisationen haben hier eine wirklich gute Antwort.

Die Konsequenz ist, dass die meisten Organisationen von aussen (gut greifbar) nach innen (unscharf, schlecht definiert) kommunizieren.

Die wirklich inspirierenden Beispiele (er nennt Apple – die Rede war 2010 -, die Wright-Brüder und Martin Luther King) kommunizieren von innen nach außen.

Kernthese von Sinek, warum das so gut funktioniert: „People don’t buy what you do, they buy why you do it! And what you do only serves as a proof of what you believe.“

Die Beispiele für „von innen nach außen“ solltet Ihr Euch selber ansehen, besonders das mit Apple.

Die Aussagen über das Gehirn wird ein Medizinstudent mit Sicherheit leicht widerlegen können, aber die Grundaussage wird dadurch nicht falsch.

Für mich passt das genau auf unsere Kommunikation.

  1. Das „What“ sind die konkreten Forderungen in unseren Programmen. Und genau wie die meisten Firmen ihre Kundenansprachen damit beginnen, tun wir das z.B. an Infoständen auch: wir beantworten Fragen von Passanten gerne konkret mit ausformulierten Positionen.
  2. Das „How“ sind dann das, was ich mal als „Großthemen“ bezeichnen will: Transparenz, Bürgerbeteiligung, BGE, Netzneutralität, Internetthemen.
  3. Und das „Why“? Das ist das, was ich noch nirgendwo klar ausformuliert vorgefunden habe. Aber nicht nur bei uns, sondern auch nicht bei der Konkurrenz. Hier kommen wir zum Thema „Menschenbild“. Was ist unser Menschenbild, von dem wir unsere Kernthemen und Positionen ableiten? Was verbindet unsere Positionen zu einem Großen, Ganzen?

Seit ich Pirat bin, habe ich versucht, mir die Antwort auf das „Why?“ aus meinen Erfahrungen bei den Piraten abzuleiten. Ich engagiere mich unter anderem so im Wahlkampf, weil ich nach einem dreiviertel Jahr für mich persönlich eine vage, nicht wirklich ausformulierte Antwort gefunden habe, die das alles sinnvoll macht. (Denkt dran: „the inner part of the brain has no capacity for language“).

Ich werde im Rahmen der Diskussionen um Inhalte in meinem KV meine Ideen zu einem piratigen Menschenbild, und den daraus resultierenden Ableitungen unserer Themen und Positionen, zu Pad bringen.

Mein Appell an alle Leser: schaut Euch das Video an, es lohnt sich! Für die Arbeit bei den Piraten genauso wie für viele, viele andere Gelegenheiten.

Und findet Euer persönliches „Why“.

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Ideen zur Verbesserung unserer Diskussionskultur

Ich gebe zu, die Ereignisse um den Austritt von Lars Pallasch haben mich erschüttert.
Das, was Lars widerfahren ist, ist weit jenseits von jedem akzeptablen Verhalten. Da hilft nur noch das PAV und alle juristischen Möglichkeiten. Hier ist eine echte Kommunikation schlicht nicht mehr möglich.

Ich habe daneben aber auch einen generellen Trend zu internen Streitigkeiten beobachtet. Konkret gesagt ist das nach meiner Meinung der Grund für unsere derzeitigen Umfragewerte. Und mir scheint es auch, als ob viele der Konfrontationen in dieser Form entweder unnötig oder zumindest unnötig unsachlich sind.

Daher schreibe ich hier mal ein paar Ideen zusammen, worum es geht und was wir tun können.

  • Woher kommt nach meiner Meinung die aggressive Stimmung?
  • Welche Tipps können wir uns selber geben?
  • Welche Strukturen könnten helfen, uns zu verbessern?
  • Wie kann man mit notorischen Verbalaggressoren umgehen, ohne gleich ein PAV anstrengen zu müssen?

Woher kommt das Problem?

Wir benutzen für einen sehr großen Teil unserer Kommunikation das Internet. Die meisten von uns sind mit der Nutzung des Netzes auch sehr versiert. Wir twittern, schreiben in Foren und Pads, verwenden Facebook, Mumble, Doodle, Pastebin, Dropbox, lesen Newsgroups und Mailinglisten.

Was die Arbeit bei den Piraten anders macht, ist, dass wir als Erste ernsthaft versuchen, die Möglichkeiten des Netzes für politische Arbeit zu nutzen. Und nicht nur als nebensächliche Ergänzung zu traditioneller Politikarbeit, sondern als das maßgebliche Mittel der Politikgestaltung.

Politik ist aber anders als andere Themen, mit denen wir im Netz Erfahrung sammeln konnten. Politik ist sehr emotional. Eine politische Meinung basiert bei vielen Themen auf tief verankerten Grundwerten dessen, der sie äußert. Da wird Kritik schnell persönlich genommen. Das kann man sowohl auf Mailinglisten als auch auf Twitter immer wieder beobachten.

Was das Internet als Werkzeug für die Diskussion emotional besetzter Themen schwierig macht, ist zudem die Tatsache, dass es noch weitgehend ein textbasiertes Medium ist. Bei textbasierter Kommunikation fehlen ca. 90% der Face-to-Face-Kommunikation: keine Körpersprache, Intonation oder Gesichtsausdrücke. Worte, die ich im Real Life durch eine ironische Stimmlage, ein Lächeln, eine fragende Geste entschärfen kann, knallen im Internet ungefiltert auf die Empfänger. Und die Zahl der Empfänger ist erstens viel größer als im RL, und zweitens nicht gut antizipierbar. Im echten Leben weiß ich, mit wem ich rede (meistens), und kann meine Wortwahl dem Publikum anpassen.

Keine qualifizierenden Ausdrucksmittel wie Körpersprache, oft hochemotionale Themen, ein oft großer und dem Absender nicht bekannter Empfangerkreis – ist es da verwunderlich, dass es immer wieder Leute gibt, die sich von an und für sich nicht kritischen Aussagen beleidigt fühlen und verbal austeilen? Ich denke nein.

Was können wir tun, um besser zu werden?

Wir müssen lernen. Das ist das Schicksal derer, die an der Spitze einer Innovation stehen, wie wir es im politischen Bereich tun. Es wird uns meiner Meinung nach nicht gelingen, das Kommunikationsproblem schnell und mit einfachen Maßnahmen zu lösen. Ich habe auch keine Wunderwaffe anzubieten, nur ein paar Ideen.

Ich denke, wenn wir uns die Schwächen der weitgehend textbasierten Internetkommunikation bewußt machen, haben wir schon viel gewonnen. Dann werden wir nämlich vorsichtiger damit, andere vorschnell zu verurteilen. Wir wissen dann, dass 90% des Kommunikationskontextes, den wir im direkten Gespräch haben, uns fehlt. Wir fragen erstmal nach, schaffen Klarheit. Ich bin der festen Überzeugung, dass damit einige Konflikte, die ich auf Twitter oder MLs beobachtet habe, vermeidbar gewesen wären.

Auf der ML bwmisc wird wöchentlich eine Netiquette-Erinnerung herumgeschickt. Das ist eine gute Sache; vielleicht kann man die Erinnerung ergänzen um eine Zusammenfassung dessen, was ich über das Internet geschrieben habe, ergänzt um den Input möglichst vieler weiterer Piraten dazu. Dann hätte die Erinnerung nicht nur einen was– Anteil, sondern auch ein warum. Damit kann man meiner Meinung nach mehr Leute abholen.

Ein solcher Text würde sich auch auf den Internetauftritten der Gliederungen gut machen.

Mediatoren als Beauftragungen?

Ein Instrument der Konfliktlösung kann eine Mediation durch einen neutralen Dritten sein. Ich weiß, wir haben Schiedsgerichte, aber da hängt die formale Latte doch sehr hoch, und nicht jeder Konflikt muss oder sollte auch nur im Rahmen eines PAV oder Ähnlichem gelöst werden. Was vielleicht helfen könnte, wäre eine kleine Gruppe von Piraten, auf die Betroffene unbürokratisch zugehen können und die dann klärende Gespräche organisieren und moderieren würden. Zudem könnten diese auch von sich aus tätig werden, wenn sie auf Twitter, MLs oder anderen Kanälen beobachten, dass ein Konflikt aus dem Ruder läuft (nautische Metapher: Check).

Ich selber habe in meinem knappen Jahr bei den Piraten Konflikte erlebt, bei denen ich nur dachte: „Leute, redet über Eure Bedürfnisse und Intentionen, nicht Eure Positionen, dann kommt Ihr sofort zusammen!“. In so einer Situation könnten Mediatoren helfen, eine Klärung und Lösung herbeizuführen. Denn die meisten Konflikte resultieren aus dem oben Gesagten (Internet…), nicht aus unvereinbaren Grundanschauungen.

Stoppschild für notorische Störer

Nicht alle Konflikte lassen sich im Guten lösen. Nicht alle Piraten werden, selbst wenn sie sich die Schwächen des Internet bewußt machen, zivilisiert kommunizieren. Ich kenne leider Einige, denen ich unterstellen muss, dass sie es nicht lernen wollen oder können, das Internet konstruktiv zu nutzen.

Von diesen Leuten sollten wir uns nicht, wie es z.T. heute geschieht, unsere Mittel kaputtmachen lassen.

Ein PAV wegen Pöbelns, Mobbens o.ä. ist, wie ich gelernt habe, nicht so einfach und auch mit erheblichen Aufwänden verbunden.

Vielleicht würde uns ein vorgelagerter „Aus die Maus“-Mechanismus helfen. Wer hinreichend negativ auffällt, könnte die folgenden Konsequenzen erleben:

  • Schneller Bann auf den betroffenen Mailinglisten.
  • Block durch die offiziellen Twitteraccounts der Piraten.
  • Block auf anderen Piratenmedien (zu klären: kann man Leute durch Vorstandsbeschluß von Tools wie LQFB fernhalten, die der Entscheidungsfindung der Partei dienen?)

Vorstellbar wäre für mich, dass es eine Art Template (Pad) gibt, in dem das Vorgefallene durch möglichst neutrale Dritte festgehalten wird (vielleicht Mediatoren, vielleicht andere Piraten). Ganz wichtig ist es dabei, alle Betroffenen zum Vorgefallenen zu befragen, auch den Übeltäter, und alle Facetten zu dokumentieren: Gesagtes, Tweets, ML-Postings etc.

Edit: Meine Begrifflichkeit des Pads war wohl mißverständlich, wie Dirk in den Kommentaren erklärt hat. Gemeint war ein Mechanismus, bei dem Entscheidern über Störer fertige Musterformulare gleich welcher Art vorliegen, die helfen, nichts zu vergessen und es den Entscheidern ermöglichen, sich schnell auf den Inhalt der Entscheidung zu konzentrieren, statt auf das Procedere. Insbesondere ist mir wichtig, dass solche Entscheidungsprozesse nichtöffentlich sind. Auf gar keinen Fall darf ein wie auch immer gearteter Pranger entstehen!

Ich bin Pad-Newbie und habe vergessen, dass auch nichtöffentliche Pads, also die ohne Globussymbol dahinter, für alle registrierten User lesbar sind. Damit scheidet ein Pad als technisches Vehikel aus. Der Templategedanke als solcher ist für mich aber nach wie vor valide, nur auf der Basis einer anderen Implementierungstechnik. /Edit

Ist dieses Template dann vollständig, könnten die neutralen Dritten es dem betroffenen Vorstand zumailen, der so einen vollständigen Umlaufbeschluss ohne viel Arbeit für den Vorstand bekommt.

Sollte die Entscheidung gegen den Störer fallen, bräuchte es nur noch einen ebenfalls standardisierten Prozess (eine Checkliste wäre ein guter Anfang), um die beschriebenen Sperren für einen Zeitraum X auszulösen.

Fazit

Ich denke, wir brauchen ein abgestuftes Vorgehen, um unsere Kommunikation zukunftsfähig zu machen.

  1. Bewußtmachen der Schwächen unserer Tools.
  2. Unterstützung von Konfliktlösungen. Das sollte die große Masse der Konflikte, die der Natur des Internet geschuldet sind, lösen.
  3. Ein schnelles und effizientes Verfahren, notorische Querulanten daran zu hindern, die Tools zu mißbrauchen, ohne gleich ein PAV anstrengen zu müssen.

Das waren meine wirren Gedanken dazu.

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